Thun, Schweiz, 01.08.06
Von matze Wed, 09 Aug 2006 06:03:00 GMT

Mittlerweile haben wir uns angewöhnt, bei weiter entfernten Gigs schon am Abend davor aufzubrechen, die Nacht durchzufahren und dann tagsüber noch mal zu entspannen/ zu schlafen, bevor wir abends das Konzert spielen. Gerade gab es einen Tag Zwischenaufenthalt in Berlin, hinter uns liegt eine Woche Klassenfahrt, vor uns eine Woche Schweiztour mit einem Abschlussgig am Samstag in Aschaffenburg/ Dschörmennie.
Los geht´s also bereits Montagabend, und als wir, schon auf offenen Gewässern, um Mitternacht lautstark dem Onkel zuprosten und ihn mit kleinen Aufmerksamkeiten und Glückwünschen überschütten, hat das seinen guten Grund: Es ist sein Geburtstag heute!!! Unser großartiger Trommler ist wieder ein Jahr älter geworden, der Teufelskerl! Der gereichte Trunk entschärft zu später Stunde bald den Großteil der Crew, und so halten Manu und ich die Stellung, bis wir in den Morgenstunden völlig koffein- aber auch (und vor allen Dingen) taurinverstrahlt in einem Hotel am Schweizer Thuner See ankommen und uns einem endgültig unseren Rhythmus jetlaggenden Schlaf hingeben.
Einigermaßen wiederhergestellt fahren wir am späteren Nachmittag nach Thun, wo jedes Jahr ein mehrere Tage dauerndes Festival stattfindet; es trägt den Namen „Am Schluss“ und ich frage mich gerade, warum. Der Organisator ist ein ziemlich schräger, in der Schweiz beinahe einzigartiger Rock´n´Roll-Paradiesvogel, der sehr viel Herzblut in dieses Festival steckt.

Wir haben als einzige Band des Abends mit einem 120minütigen Set volle Narrenfreiheit. Und siehe da: Es gibt ringsherum viel Feuerwerk, Raketen und lustiges Geballer, heute ist nämlich Nationalfeiertag in der Schweiz, sozusagen haben der Onkel und die Schweiz am selben Tag Geburtstag.

Wir legen einen sehr gediegenen Auftritt hin, schön mit Freestyle und Reggae-Jams, bei denen wir aufgrund des zweistündigen Sets viiiieel Zeit haben und mit einer Arsch-Ruhe an die Songs und Improvisationen gehen, so dass es für alle Beteiligten (es gab etwa 400 Zuschauer schätz ich) zu einem großartigen Abend wird. Etwa nach einer Stunde gibt es eine Pause, in der der Veranstalter Spenden im Publikum einsammeln lässt, durch die das Festival zum Teil finanziert wird – der Eintritt ist nämlich frei.

In der zweiten Hälfte des Konzerts bringt Ben die anwesenden Leute bei einem Mitsingspiel („Ey Leute sacht ma heehoooo“) dazu, dem Onkel lautstark Geburtstagsparolen entgegenzubrüllen. Na und der hat sich erst gefreut! Erlebt man ja auch nicht alle Tage. Als Dankeschön spielt er an diesem Abend extraextrafett. Das müssen wir unbedingt wieder machen, 2 Stunden Konzert mit ´ner Viertelstunde Pause, da kann man schön freidrehen. Wir gehen gegen 11 von der Bühne, als auch das schon erwähnte nationalfeiertagsbedingte Feuerwerk seinen Höhepunkt erreicht.
Sehr schöne, anheimelnde Atmosphäre und ein gemütliches Setting (neben der Bühne ein großes, langsames Riesenrad und hinter dem FOH ein kleiner, schneller Fluss) geben dem Abend einen angenehmen Ausklang. Mit ein paar Biersen ausm Catering machen wir im Hotel noch einen auf nachtruhestörende Proll-Mucker. Einmal weil es heute ordentlich was zu feiern gab und andererseits weil wir langsam mal das uns anhaftende Image der „sympathischen Spasskombo mit Gute-Laune-Garantie“ abstreifen wollen. Das ist doch alles ganz anders!
[Fotos copyright: Manuel Owono]


