Das fulminante Finale der verregneten Hoteltour
Von noodt Wed, 09 Aug 2006 06:33:00 GMT
Freaktal (CH) und Aschaffenburg (D), 04./05.08.06

Wir sitzen im Bus und natürlich regnet es mal wieder. Eigentlich pisst es, seitdem wir vor sechs Tagen losgefahren sind. Wir hatten uns in den letzten Wochen schon an den Gedanken gewöhnt, künftig ohne Regen zu leben. Aber nun prasselt auf uns herab, was längst überfällig war. Infolge dessen haben wir uns geschworen, nie wieder ohne Regenjacke und feste Schuhe auf ein Festival zu fahren, auch nicht in einem so genannten Jahrhundertsommer.

Sechs Tage Mini-Tour liegen hinter uns. Wir haben diesen Trip origineller Weise nicht „Regentour“, sondern „Hoteltour“ getauft, weil wir sehr viel Zeit in Hotels verbracht haben. Eines schöner als das andere. Wir übernachten ja nur in ausgesuchten Nobel-Hotels in den luxuriösesten Suiten. Irgendwo muss das ganze Geld ja hin, das wir mit den überteuerten CDs erwirtschaften.

Außer schönen Hotelzimmern haben wir noch vieles andere gesehen: einen glücklichen Onkel an seinem Geburtstag (Matze berichtete), wunderschöne Schweizer Seen, Fabian und Kolja in Bern, guten Käse und gutes Brot, Smith&Smart, ricoloop, ein grandioses Duo namens „Das Pferd“, Kühe, wunderschön poetische Musik aus Frankreich von der Band Lazuli, überschwemmte Festivalgelände und viele nimmermüde, engagierte und unglaublich lässige Konzertveranstalter.

Das Freaktal-Festival ist ein Paradebeispiel dafür. Mit viel Mühe und Liebe verwandeln ein paar freakige Schweizer diese malerische Alm bei Frick in einen phantastischen Park mit kunstvollen Bühnen, Bars, Pool (mit Rutsche!), Chill-Areas, Dancefloors… das Freaktal. Eine Fusion in klein sozusagen. Wir sind begeistert, nur der Regen trübt erst unsere Freude, dann unsere Schuhe. Wenigstens das Catering entschädigt uns, zumal hier alles angeboten wird, was Magen, Leber und Lunge gut tut.

Vor der Bühne war eigentlich mal eine Wiese. Durch den Dauerregen ist diese Wiese allerdings zu einer braunen Suppe mutiert, die nicht dazu einlädt, betreten zu werden. Doch das Schweizer Publikum will feiern und lässt sich den Spaß nicht von ein bisschen Matsch verderben. Als vor uns die Old-School-HipHop-Formation „Delinquent Habits“ auftritt, rasten die Leute komplett aus. Die acht Flaschen Tequila, die während der Show von der Bühne aus verteilt werden, tun ihr übriges dazu.
Als wir eine halbe Stunde später anfangen zu spielen, hat sich der Regen zwar etwas beruhigt, dennoch hat das Ekelwetter einige vertrieben. Die, die noch da sind, rocken dafür umso mehr. Zwar ist das Tanzen auf Schlammboden nicht so einfach, aber das beeinträchtigt die Stimmung keineswegs. Nach guten eineinhalb Stunden mit Freestyle-Features von Maxwell Smart und Zugaben geht der Abend zu Ende. Das Festivalgelände gleicht nun einer Sumpfgrube, und wir fragen uns, wie hier morgen die Leute abgehen sollen. Aber die Schweizer sind hart gesotten und lassen sich immer was einfallen…
Bevor wir ins Hotel fahren, brauchen wir einige Anläufe, um unseren Bus mit vereinten Kräften buchstäblich aus dem Dreck zu ziehen. Ohne fremde Hilfe kommt der Highway-Tiger nicht zurück auf den Asphaltweg. Erinnerungen an den Chiemsee Reggae Summer werden wach, wo ohne Schlepper auch nix mehr ging.

Trotz allen Widrigkeiten hoffen wir sehr, irgendwann (am besten gleich nächstes Jahr) wieder auf dem Freaktal zu Gast sein zu dürfen, denn dieses Festival ist ein echtes Kleinod der Spaßkultur. Wenn hier erstmal die Sonne scheint, sind dem Wohlbefinden keine Grenzen mehr gesetzt. Vielen Dank an alle, die sich so lieb um uns gekümmert haben! Und Big Up an Smith&Smart, die wir leider im Schlammbad nicht mehr finden konnten.

Den würdigen Abschluss findet die Hoteltour in Aschaffenburg, kurz Aschebäsch, wo uns das Kommz-Festival eingeladen hat. Seit 31 Jahren veranstalten hoch motivierte, ehrenamtlich arbeitende Menschen im Schlosspark ein Musikfest mit Bands aus ganz unterschiedlichen Ecken. Hier wird auf Vielfalt gesetzt, und nicht zuletzt durch den günstigen Eintritt versammeln sich hier einige tausend Zuhörer. Mit im Line-Up ist auch ricoloop, und wir freuen uns riesig darauf, ihn zu treffen.

Künstlerbetreuung wird hier großgeschrieben, das merken wir sofort nach der Ankunft. In Fatmo-verdächtiger Manier werden wir mit allem versorgt, wonach uns hungert und dürstet. Der Wohlfühlfaktor steigt.

Irgendwas passiert an diesem Abend, was sich schlecht erklären lässt. Vielleicht liegt es an dem großartigen Publikum, das sich nicht lange bitten lässt und mitsingt, Pogo tanzt und von der Bühne springt; vielleicht an unserer Tagesform oder an ricoloop, der seinen Auftritt mit einem waghalsigen Stunt beginnt; vielleicht ist auch alles wir immer, nur genießen wir es noch mehr. Jedenfalls spielen wir ein fettes Konzert, das uns bestimmt lange in guter Erinnerung bleiben wird. Und zu bedanken haben wir uns vor allem bei den vielen Leuten, die mit uns gefeiert haben! Aschebäsch, das war geil!

So kehren wir nach unserer kleinen Tour durch den Regen zurück nach Berlin, wo wir ja mittlerweile nur noch auf Stippvisite sind. Ein paar Tage bleiben uns, dann geht´s weiter…
[Fotos copyright: Manuel Owono]



War ja klar, dass Aschebersch dolle wird ^^ mir sind halt einfach klasse! Deswegen könnt ihr ja mal wieder hierher kommen, in den Colossaal, mit seinem genialen Klang! g